Jeden verdammten Sonntag.. Laufe Drei Meilen um ein Guinness zu saufen!

Das schrägste Pub-Gesetz, welches du jemals gehört hast

Hallo Blow-in

Keine Angst du musst heute Sonntag keine drei Meilen laufen um eine köstliche Pint vom Black-Stuff verköstigen zu dürfen. 

In Zeiten von Corona ist dieses unterfangen derzeit sowieso sinnlos. 

Alle Pubs in Irland sind nach wie vor geschlossen. Hätte man sich dies vor wenigen Wochen noch jemals vorstellen können?

Schon früher gab es aber im Irland Gesetze die Leute am Pub-Besuch hindern sollten. 

Doch mit einiger Kreativität und schnüren der Wanderschuhe umschifften weise Trinker das Problem auf ihre Art.

Es war die grosse Zeit der „Bona Fida Traveller“. Das gleichnamige Gesetz sollte verhindern, dass an einem Sonntag Alkohol konsumiert wurde.

Die Folge war ein reges Treiben auf den irischen Strassen, ein munteres umher wandern und radeln zwischen Dörfern und nicht zuletzt - der Verzehr von grossen Mengen an Alkohol..

Du fragst dich, was es damit genau auf sich hatte? Hier bist du genau richtig um es zu erfahren.

Künftig keine Geschichte aus Irland mehr verpassen?

Unterwegs als „Bona Fide Traveller“

Bis spät in die Nacht oder Sonntags sich den einen oder anderen Whiskey in lustiger Gesellschaft zu gönnen war im Irland des frühen 20. Jahrhunderts mit einigem Aufwand verbunden.

Nicht das die Iren diesen gescheut hätten. 

Gerade wenn es um Alkohol geht werden Gesetze hier pragmatisch angeschaut und Lösungen werden schnell gefunden. 

Wo ein Durst ist, ist auch ein Weg.

Auf denselbigen machten sich ganze Dorfgemeinschaften jeweils an einem Sonntag. Nach dem obligaten Kirchengang wurde dem Nachbardorf ein Besuch abgestattet. 

Nicht etwa um die netten Menschen dort zu treffen. Diese kreuzte man unterwegs, da diese sich in entgegengesetzter Richtung bewegten.

Macht für dich keinen Sinn?

Dann kennst du die damaligen Gesetze noch nicht. Eines lautete dahingehend. 

An einem Sonntag (und ab 23.00 Uhr) nur jemand Alkohol in einem Pub trinken durfte, wenn er dazu mehr als drei Meilen zu reisen hatte

Und einen triftigen Grund für diese Reise hatte.

Das „Local“ um die Ecke war deshalb tabu. 

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Zu Besuch in einem Bona Fide Houses

Nicht aber der Pub im Nachbardorf, wenn dieser mehr als drei Meilen von zu Hause entfernt lag. 

Die genaue Definition lag dabei auf „von deinem letzten Schlafplatz“. 

Schliesslich sollte des Gesetz ja Reisenden zu Gute kommen, welche unterwegs an akutem Durst litten.

Dieser musste dringend an einer Tränke gestillt werden.

So stellte nach einläuten der letzten Runde der „Publican“ einen Türsteher hin. Dieser sorgte offiziell dafür, dass nur „Bona Fide“ Reisende der Zutritt gewährt wurde.

Die eigentliche Aufgabe lag aber darin, den Pub-Besitzer und die Gäste zu warnen wenn die Polizei im Anmarsch war. 

Wer beweisen konnte, dass er „auf Reisen“ war und drei Meilen vom Daheim entfernt hatte nichts zu befürchten. 

Wer keinen so guten Grund hatte den versteckte der Wirt oben in seiner Wohnung. Im Schrank. 

Oder unter dem Bett.

Jedenfalls wurde diese rechtliche Lücke vollends ausgekostet und du kannst dir sicher vorstellen, dass die Iren sich ihren Spass mit den Gesetzeshütern erlaubten.

Allerdings ist überliefert, dass einige Pub-Inhaber tatsächlich für Gesetzesbrüche verurteilt und arg gebüsst wurden. 

Oder aber sich mit langjährigen Gerichtsverfahren um sich schlagen mussten.

Welche schliesslich ad acta gelegt wurden.

Stadt. Land. Todesfälle.

Interessant ist der Fakt, dass zwischen Pubs auf dem Land und der Stadt ein grosser Unterschied lag.

Der Pub in der Stadt, damit ist immer Dublin gemeint, war ein reiner Trink-Pub. 

Keine Sandwichs. Keine Chips. Nicht mal Erdnüsse gab es zu futtern.

Sterile Trinkhallen mit dem obligaten Mahagoni-Tresen. 

Einige Tische und Stühle. Wände vom Zigarettenrauch schwarz gefärbt. 

Der Land-Pub hingegen konnte alles sein. 

Neben dem normalen Pub-Betrieb ein Tante Emma Laden. Oder ein „Hardware Store“. 

Ein Platz wo der geneigte DIY-Heimwerkerkönig nach ein paar Pints noch Hammer und Nägel kaufen konnte, um zu Hause das Bild aufzuhängen.

Ja, dasjenige welches die Dame des Hauses seit 6 Monaten aufgehängt sehen haben wollte

Aber zurück zum Pub. 

Der Publican. Dein Freund von der Wiege bis zur Bahre

Und zum nicht minder interessanten Fakt, dass so ein Pub auch ein Beerdigungsinstitut sein konnte.

Tatsächlich diente der lokale Pub oftmals, um dort einen Sarg zu bestellen. Oder um in einem Nebengebäude den einen oder anderen Leichnam aufzubahren.

Es war keine Seltenheit, dass der Pubbesitzer auch der Leichenbestatter des Dorfes war. 

Magst du noch mehr Besonderheiten rund um den irischen Pub und die Trinkkultur hören?

The Booze. Rund um die Uhr. Von Kips, Kellerräumen und ersten Pints in den Morgenstunden

Dank dem Gesetz der „Bona Fide“ war es in Irland und insbesondere in Dublin möglich sich rund um die Uhr zu betrinken.

Im Dublin der 1950er funktionierte dies so.

Lichterlöschen in den regulären Pubs um 23 Uhr abends. Wer nun eine Mitfahrgelegenheit hatte der fuhr mit dem Fahrer seines Vertrauens in eines der „Bona Fide Houses“ am Stadtrand.

So war man die drei Meilen weg von seinem zu Hause und somit legal am Ort des Geschehens.

Praktischerweise lagen die „Bona Fide Houses“ an jeder der grossen Strassen in allen Himmelsrichtungen.

Berüchtigt waren das Lamb Doyles (Dublin Mountains), das Widow Flavin’s (Sandyford), das Dropping Well (Dartry), das Deadman’s Inn (Lucan), das Swiss Cottage (Santry), das Igo Inn (Ballybrack) und The Goat (Goatstown).

Kips. Spirituosen aus der Teetasse

Sobald nun auch diese Trinkhalle Feierabend machte ging es für die Nachtschwärmer wieder zurück in die Innenstadt. 

Genauer an den Parnell Square oder rund um die Capel Street.

Dort suchten die Menschen einen „Kips“ auf. Was das nun wieder war?

Nun im eigentlichen Sinne ein Bordell. 

Hier gab es bis in die frühen Morgenstunden Whiskey und Gin. In der Teetasse serviert..

Eines der ganz berühmten Häuser war dasjenige von der berühmt berüchtigten Dolly Fawcett geleitete Continental Cafe. Es lag an der 1a Bolton Street.

Was als unschuldiges „Spätabend-Cafe“ getarnt war figurierte das Continental in der Realität als Platz um Prostituierte aufzugabeln. 

Noch heute werden nicht gerade hübsche Frauen im Dublin Slang als „Dolly Fawcett’s Chamber-Maid“ bezeichnet. 

Nicht sehr nett, aber nun mal Fakt. 

Das Continental war aber kein Bordell im eigentlichen Sinne. Dort traf man sich lediglich und handelte den Preis aus. 

Hier fanden die wildesten Parties der 50er in Dublin statt

Danach führte man die Dame in eines der „Basements“. Alte, ausgediente Weinkeller in ehemals feinen georgianischen Häusern.

Wie dem „Catacombs“. 

Einem Wirrwarr von Kellern am Fitzwilliam Place 13. Ein Untergrund-Club. Hier fanden die wildesten Parties der Stadt statt.

Brendan Behan, seines Zeichens kein Kind von Traurigkeit, verhinderter IRA-Aktivist, Trunkenbold und hervorragender Schriftsteller bezeichneten das Geschehen wie folgt:

“men had women, men had men and women had women”

Anthony Cronin, ein anderer Zeitzeuge lebte eine Zeitlang in den „Catacombs“. Er wurde wie folgt zitiert:

…whole place smelt of damp, decaying plaster and brickwork, that smell of money gone which was once so prevalent in Ireland. Off the corridor leading out of the kitchen were various dark little rooms. Mine, I think, once been a wine cellar. There was hardly space for a bed in it, and none for anything else except a few bottles and books. The other rooms were variously occupied and people came and went according to need and circumstances…

Wir verlassen diesen Ort und kehren zurück in einen ganz normalen Pub. 

Einen scheinbar ganz normalen Pub. Den etwas ist hier anders. 

Die Öffnungszeiten der sogenannten „Early Hours“.

Wo du morgens um Sieben ein Guinness trinken gehen kannst

Wenn du jetzt gedacht hast nach dem Besuch der Kips und trinken von Whiskey in einer Teetasse ist Schluss mit der Sauftour, dann bist du auf dem Holzweg.

Weiter ging es in einem der Pubs mit einer „Early Hours“ Lizenz. 

Diese Pubs durften morgens um sieben Uhr die Tür öffnen und Alkohol ausschenken.

Warum zum Teufel war das Möglich?

Diese speziellen Lizenzen wurde vergeben um Arbeiter am Dock, Fischer, Handelsleuten, Fabrikarbeitern und Menschen aus anderen Jobs mit Schichtarbeiten zu ermöglichen nach Feierabend eine Pint trinken zu gehen.

Diese Lizenzen wurden 1927 an zahlreiche Pubs vergeben. Neue „Early Hours“ Lizenzen werden seither keine mehr vergeben.

Wer eine solche Lizenz inne hat, der gibt sie natürlich nicht ab.

Einer der berühmtesten Pubs dieser Art in Cork ist das „Welcome Inn“. Gleich haben dem Busbahnhof.

Ein kleiner, sehr gemütlicher Pub mit urigem Charme und grossartigen Gästen. Noch heute. 

Besuche das Welcome Inn, wenn du mal in Cork bist.

Das Ende der Bona Fide Travellers

Wir schliessen den Text mit dem Ende der „Bona Fide Travellers“ in den 1960er Jahren.

Immer mehr Autos kamen auf und es war ein leichtes in einen Pub ausserhalb der 3 Meilen Zone zu gelangen.

Ausserdem gab es, wie du dir sicher denken kannst, sehr viele schlimme Verkehrsunfälle mit Todesfolge. 

Wegen Fahrens im angetrunkenen Zustand.

Das Gesetz der „Bona Fide Travellers“ wurde aus der Verfassung gestrichen und ist heute nur noch eine Erinnerung einiger weniger, welche diese Zeit miterlebt haben.

In diesem Sinne „Slainte Mhaith“.

Reto